Spastik

Das Wort Spastik leitet sich vom griechischen Wort „spasmos“ (Spasmus) ab und bedeutet Krampf.4

Ausgelöst durch eine Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks ist hierbei die Eigenspannung der Skelettmuskulatur erhöht. Eine Spastik ist keine Krankheit, sondern ein Symptom einer Erkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS).1

Die Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks (Zentralnervensystem) kann zahlreiche Ursachen haben1, zum Beispiel Schlaganfall (ca. 270.000 Schlaganfälle ereignen sich jährlich in Deutschland, fünft häufigste Todesart, Tendenz steigend, bei mehr als einem Viertel entwickelt sich nach einer Zeitspanne von 3-6 Monaten eine Spastik)2, Unfälle mit Schädel-Hirn-Trauma, Rückenmarksverletzungen, Multiple Sklerose, Frühkindliche Hirnschädigungen, Hirnentzündungen oder Hirntumor. Eine Spastik kann somit sowohl im Erwachsenen- als auch im Kindes- und Jugendalter auftreten.1

Symptome

Der Schweregrad einer Spastik reicht von der leichten Beeinträchtigung in der Bewegungsfähigkeit bis zur vollständigen körperlichen Behinderung – abhängig davon, welche Hirnareale wie stark betroffen sind.3

 

Therapie

Spastische Lähmungen sind nicht heilbar, daher besteht das Ziel der verschiedenen Therapiemöglichkeiten in der Minderung der vorhandenen Beschwerden, der verbesserten Beweglichkeit sowie dem Entgegenwirken von Folgeschäden, wie Gelenkentzündungen und -deformationen. Grundsätzlich gilt, die Therapie soll multidisziplinär sein. Wegen der hohen Variationsbreite des Krankheitsbildes, ist es wichtig, für jeden Patienten einen individuellen Therapieplan zu erstellen.3

 

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie besteht in erster Linie in der oralen Gabe von Medikamenten, die antispastisch wirken. Dies geschieht entweder durch Herabsetzung des Muskeltonus oder durch Blockierung der neuromuskulären Reizübertragung an der motorischen Endplatte. Hierdurch werden die betroffenen Muskeln, entspannt und schmerzhafte Spasmen reduziert.

Entsprechend ihrem Wirkort unterscheidet man zwischen den direkt am Muskel angreifenden peripheren Muskelrelaxantien und den zentralen Muskelrelaxantien, die im Zentralnervensystem den Muskeltonus herabsetzen.

Myotrope Muskelrelaxantien wirken nicht an der motorischen Endplatte, sondern direkt am quergestreiften Muskel. Der wichtigste Vertreter ist Dantrolen, das durch eine direkte Blockade des intrazellulären Ryanodin-Rezeptors den Calciumeinstrom aus dem Sarkoplasma (intrazellulärer Calciumspeicher) in das Cytoplasma der Muskelzelle die elektromechanische Kopplung unterbricht und so eine Kontraktion verhindert.

Zentrale Muskelrelaxantien sind Medikamente, die eine Wirkung im zentralen Nervensystem haben, wie z. B. Flupirtin, Tizanidin, Baclofen, Pridinol, Tolperison oder Methocarbamol.

Neben der oralen medikamentösen Behandlung ist eine ergänzende Therapie durch intramuskuläre Injektionen von Botulinumtoxinen möglich, wenn die Spastik bestimmter Muskeln im Vordergrund steht. Diese Substanz wird in den betroffenen Muskel gespritzt und wirkt auf die dortigen Synapsen, indem sie die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin verhindert. Die Folge ist eine – reversible – schlaffe Lähmung des Skelettmuskels.

 

Botulinumtoxin

In der Behandlung von Spastik wird auch Botulinumtoxin eingesetzt. Durch die Injektion des Nervengiftes in stark verdünnter Form wird die Reizweiterleitung von den Nervenfasern auf die Muskeln gehemmt.3

 

Operative Therapien

Neben diesen konventionellen Therapien gibt es verschiedene operative Techniken, die Deformationen vorbeugen oder korrigieren sollen, sowie solche, deren Ziel die „größtmögliche Herstellung des Muskelgleichgewichts“ ist, um spastische Bewegungsmuster zu reduzieren. Einige Beispiele sind Sehnenverlängerungen, Muskelversetzungen und Knochenumstellungen. Bei schwersten spastischen Lähmungen in Verbindung mit starken Schmerzen und Bewegungsunfähigkeit – besonders der unteren Extremität – besteht die Möglichkeit, die den betroffenen Muskel versorgenden Nerven zu durchtrennen. Bei dieser Methode wird die spastische Lähmung zur schlaffen Plegie. Sensibilitätsstörungen der betreffenden Extremität sind häufige Nebenwirkungen eines solchen Eingriffs, der im Übrigen die Spastik oft nur vorübergehend bessert und daher heutzutage kaum noch durchgeführt wird, zumal jetzt effektivere medikamentöse Therapien verfügbar sind.

 

 

Quellen:
1Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Therapie des spastischen Syndroms, 2012
2www.schlaganfall-hilfe.de
3www.myhandicap.de
4http://flexikon.doccheck.com/de/Spastik