Spastik

Unter Spastik bzw. Spastizität versteht man eine Tonuserhöhung der Muskulatur (Spasmus), die die Extremitäten in typische, nicht funktionelle Haltungsmuster zwingt. Das Wort Spastik leitet sich vom griechischen Wort „spasmos“ (Spasmus) ab und bedeutet Krampf.1

Ausgelöst durch eine Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks ist hierbei die Eigenspannung der Skelettmuskulatur erhöht. Eine Spastik ist keine Krankheit, sondern eine Komponente einer Erkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS).2

Die Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks (Zentralnervensystem) kann zahlreiche Ursachen haben.2 Zum Beispiel ereignen sich in Deutschland jährlich ca. 270.000 Schlaganfälle, das ist die dritthäufigste Todesursache.3 Weiterhin zu nennen sind Unfälle mit Schädel-Hirn-Trauma, Rückenmarksverletzungen, Multiple Sklerose, Frühkindliche Hirnschädigungen, Hirnentzündungen oder Hirntumore. Eine Spastik kann somit sowohl im Erwachsenen-, als auch im Kindes- und Jugendalter auftreten.

Symptome

Der Schweregrad einer Spastik reicht von der leichten Beeinträchtigung in der Bewegungsfähigkeit bis zur vollständigen körperlichen Behinderung, abhängig davon, welche Hirnareale wie stark betroffen sind.4

 

Therapie

Die Ursachen für eine spastische Lähmung sind sehr unterschiedlich. Entsprechend muss auch die Therapie für jeden Patienten individuell bestimmt werden. Infrage kommen im Wesentlichen zwei Therapieansätze, die auch miteinander kombiniert werden können: medikamentöse Behandlung und Physiotherapie. Wie eine Lähmung behandelt wird, hängt ganz entscheidend von deren Ursache ab.4

 

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie besteht in erster Linie in der oralen Gabe von Medikamenten, die antispastisch wirken. Dies geschieht entweder durch Herabsetzung des Muskeltonus oder durch Blockierung der neuromuskulären Reizübertragung an der motorischen Endplatte. Hierdurch werden die betroffenen Muskeln entspannt und schmerzhafte Spasmen reduziert.

Entsprechend ihrem Wirkort unterscheidet man zwischen den direkt am Muskel angreifenden peripheren Muskelrelaxanzien und den zentralen Muskelrelaxantien, die im Zentralnervensystem den Muskeltonus herabsetzen.

Myotrope Muskelrelaxantien wirken nicht an der motorischen Endplatte, sondern direkt am quergestreiften Muskel. Ein wichtiger Vertreter ist Dantrolen, das durch eine direkte Blockade des intrazellulären Ryanodin-Rezeptors den Calciumeinstrom aus dem Sarkoplasma (intrazellulärer Calciumspeicher) in das Cytoplasma der Muskelzelle die elektromechanische Kopplung unterbricht und so eine Kontraktion verhindert. Da Dantrolen keinen ZNS-Wirkansatz hat, kann sein Einsatz bei zerebral schwer geschädigten Personen Vorteile haben.2

Zentrale Muskelrelaxantien sind Medikamente, die eine Wirkung im zentralen Nervensystem haben. Am häufigsten eingesetzt werden Baclofen, Tizanidin und Tolperison.2

Neben der oralen medikamentösen Behandlung ist eine Therapie durch intramuskuläre Injektionen von Botulinumtoxinen möglich, wenn die Spastik bestimmter Muskeln im Vordergrund steht.2 Diese Substanz wird in den betroffenen Muskel gespritzt und wirkt auf die dortigen Synapsen, indem sie die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin verhindert. Die Folge ist eine – reversible – schlaffe Lähmung des Skelettmuskels.

 

Botulinumtoxin

Eine weitere Form der medikamentösen Behandlung ist die Injektion des Nervengifts Botulinumtoxin bei Spastik. Ziel der Behandlung ist es, die Spannung durch Injektion in den betroffenen Muskel zu reduzieren. Dadurch können die Bewegungsfähigkeit verbessert und Schmerzen gelindert werden. Da es kein Gegengift gibt und die Behandlung sehr viel Erfahrung voraussetzt, sollte sie nur von Spezialisten vorgenommen werden. Entsprechende Spezialsprechstunden gibt es an mehreren orthopädischen Kliniken in Deutschland.5

 

Operative Therapien

Neben diesen konventionellen Therapien gibt es verschiedene operative Techniken, die Deformationen vorbeugen oder korrigieren sollen, sowie solche, deren Ziel die „größtmögliche Herstellung des Muskelgleichgewichts“ ist, um spastische Bewegungsmuster zu reduzieren. Einige Beispiele sind Sehnenverlängerungen, Muskelversetzungen und Knochenumstellungen. Bei schwersten spastischen Lähmungen in Verbindung mit starken Schmerzen und Bewegungsunfähigkeit – besonders der unteren Extremität – besteht die Möglichkeit, die den betroffenen Muskel versorgenden Nerven zu durchtrennen. Bei dieser Methode wird die spastische Lähmung zur schlaffen Plegie.2 

 

 

Quellen:
1 http://flexikon.doccheck.com/de/Spastik, Stand 10.03.2020
2 Deutsche Gesellschaft für Neurologie, S2k Therapie des spastischen Syndroms, 2018
3 https://www.focus.de/gesundheit/news/welt-schlaganfall-tag-schlaganfallpatienten-werden-immer-juenger_aid_1138500.html, Stand 10.03.2020
4 www.schlaganfall-hilfe.de, Stand 10.03.2020
5 www.myhandicap.de, Stand 10.03.2020